Dienstag, 28. Januar 2014

Was Nepal mit mir anstellt...

Wenn ich auf Städtereisen bin, interessieren mich selten Museen oder Wahrzeichen, es sind die Kirchen.
Ich bin alles andere als ein gläubiger Mensch. Obwohl ich das gar nicht so pauschal sagen kann. An irgendetwas glaube ich schon, aber das hat nichts mit Gott oder der Institution Kirche zu tun. Was fasziniert mich dann aber an diesen Gebilden? 
Es ist diese Ruhe und gleichzeitig diese enorme Kraft, die eine Kirche ausstrahlt und die ich ganz stark spüre.
So richtig beschreiben kann ich das nicht, aber wenn ich den Boden einer Kirche betrete, werde ich ruhiger, langsamer und komme ins Grübeln.
Natürlich ist die Intensität dieses Umstandes von dem Gebäude und den Menschen, die sich dort befinden, abhängig. Viele Touristen, mit ihrer Kamera in der Dresdner Frauenkirche, die "versuchen" leise zu sein - na ja, da geschieht nicht viel in mir.

Am liebsten sind mir kleine, dunkle, alte Kirchen. Die diesen typischen Geruch von alten Gemäuern inne haben, der sich mit dem Weihrauch vermischt. Durch ein kleines buntes Fenster strahlt die Sonne auf den Altar und gibt den kalten, grauen Wänden ein wenig Leben.
Ich könnte stundenlang in so einem Bauwerk meine Zeit vertreiben. Höchstwahrscheinlich könnte man das jetzt analysieren und sich fragen, warum das so einen Einfluss auf mich hat, aber das soll nicht Inhalt dieses Textes sein.
Viel mehr möchte ich auf Nepal eingehen und darauf, dass ich etwas gefunden habe, das eine ähnliche Wirkung auf mich hat.

Man mag es kaum glauben, aber es sind nicht die Tempel und Stupas, die man en masse in diesem buddhistisch/hinduistischen Land sieht. Diese Anlagen sind nett anzuschauen, aber nach dem dritten Tempel war es für mich dann auch schon genug.

Nein! 
Es sind die Berge! 

Schon in Winterurlauben habe ich dies häufig bemerkt, hatte es aber immer auf den Sport geschoben. Das Wandern im Kindesalter mit meinen Eltern war auch eher eine Qual, so dass ich erst jetzt bemerke, wie sehr ich Berge eigentlich liebe und was sie mit mir anstellen.

Wenn ich täglich die Straße hinunter laufe und zwischen zwei Gebäuden das Himalaya-Gebirge hinausragt, geht mir das Herz auf. Die weißen Spitzen, die aussehen, als wären sie mit Puderzucker bedeckt und zum Anfassen nah. Dabei sind sie Kilometer weit weg und 1000e von Metern höher.

Schöner wird dieser Zustand natürlich, wenn man sich irgendwo hächelnd hoch gequält hat, um diesen Wahnsinns Ausblick zu geniessen. Dann steht man da und hat das Gefühl mit den 5000ern, 6000ern, bis hin zu den über 8000ern auf einer Höhe zu sein. Gleichzeitig kommt in einem diese tolle Genugtuung auf etwas wirklich erreicht und geschafft zu haben.
Einfach traumhaft diese Ruhe, diese klare Luft, die Vögel, die um einen herum kreisen. Wenn man Glück hat begegnet einem ein Flugzeug, das tiefer fliegt, als man steht.
Wolken gefangen in den Spitzen der Berge, die ein Meer bilden in das man am liebsten springen würde.

Berge haben aber auch in einem Tal, ohne dass man auf einer Aussichtsplattform steht, so etwas Schützendes, Beruhigendes.
Wie eine große Decke, die sich aufmerksam um ein legt. 

Im Himalaya ist die Aussicht außerdem so atemberaubend, manchmal sieht sie aus wie gemalt, einfach dahin gepinselt.
So stark sind die Farbunterschiede und die Weiten, dass man das Gefühl hat vor einer Fototapete zu stehen.
Oft mischen sich die unterschiedlichsten Landschaften. Mal steht man mitten in einer saftig grünen Reisterrassen-Oase, mal hat man nichts anderes um sich herum, als Sand und Wüste.
Gelegentlich befindet man sich aber auch in einem Dschungel und schaut zwischen Sträuchern und riesigen Bäumen auf rauschende Wasserfälle.

Was ich wohl am meisten vermissen werde sind tatsächlich die Berge, wenn ich wieder das Berliner Flachland betrete.

Deshalb werde ich in meinen ein wenig mehr als letzten zwei Monaten, jeden Hügel und Berg erklimmen, der sich mir anbietet. Aber auch jede auf meinem Weg liegende Dachterrasse steht auf dem Programm! 

Am Ende meines Aufenthaltes möchte ich das Gefühl haben diese Energie so oft gespürt zu haben, dass ich sie ohne Probleme mit nach Hause nehmen kann - als Erinnerung - als Reserve für Tage an denen mir Kraft fehlt.

(Deshalb - nur mal so am Rande - gab es am Wochenende auch eine kleine Verewigung. Diese soll mich stets an diese tolle Erfahrung erinnern und zeigt das, was ich am ehesten mit Nepal verbinde - Berge!)


Samstag, 18. Januar 2014

Die Nepal-Blase

Als ich meine Reise antrat wusste ich rein gar nichts von diesem Land.
Ich hatte mich zuvor belesen, Blogs und Internetseiten durchforstet. Hatte mir Bücher gekauft, Videos im Internet angeschaut.
In meinem Kopf bildete sich so langsam eine kleine Welt. Ich erschuf sie mir selbst.
Immer war ich mir darüber bewusst, dass ich in einem Entwicklungsland leben werde, also schraubte ich meine Erwartungen so gut es ging hinunter, um nicht letzten Endes enttäuscht zu werden.
Was mir dann begegnete sprengte all meine Vorstellungen. Armut, Müll, Gestank und Lärm brassten auf mich ein.
Doch nach drei Tagen fand ich einen Ausweg und landete unverhofft in einer Blase.

Der Nepal-Blase.

Erst nach einigen Wochen erkannte ich dies und es war schwer auszubrechen.

Von vielen, die Nepal bereisen, vor allem die Hippies mit ihren Buddha-Hosen, gebatikten  T-Shirts und Rastazöpfen, sprechen von einem der ruhigsten und schönsten Orte auf der ganzen Welt. Sie lieben es, wollen es nicht verlassen und befinden sich doch nur in der Blase.

Thamel ist der Touristenort schlechthin in Kathmandu. Hier bekommt Tourist alles, was er benötigt, um die typischen Trekkingtouren zu machen, oder seine spirituelle Seite zu entdecken.
Alle sind friedlich, wohl besonnen und man sieht ihnen die Gelassenheit an, die ihnen das Land vermittelt hat.

Auf der anderen Seite, ein paar Straßen weiter, steht ein Koch an einem Herd und versucht seinen 18-Stundentag um die Runden zu bekommen, sowie jeden Tag, mit Hilfe von zwei Jobs. Das alles um seine 6-köpfige Familie zu ernähren, die zusammen mit ihm in einer Einraumwohnung außerhalb von Kathmandu wohnen, da sie sich die Mieten innerhalb der Stadt nicht leisten können.

Auf fast 3000 Metern Höhe sieht man abends eine Gruppe von sechs Weißen in einer Lodge sitzen. Sie werden von ihren angeheuerten Portern und Guides bedient. Es fehlt ihnen an nichts. Sogar ihre gewohnte Lasagne steht auf der Menükarte.
Als diese dann dampfend vor ihnen steht, sind sie mehr als enttäuscht. Hatten sie doch guten, frischen Käse erwartet.
Das ihnen den Tag über auf ihrem Trek mindestens 40 vollgepackte Esel entgegen kamen, die dafür Sorge tragen, dass sie Käse, Wein und Klopapier selbst in der abgelegensten Lodge bekommen, darüber denken sie nicht nach. Sie schieben ihr „westliches“ Essen zur Seite und gehen enttäuscht ins Bett. 
Währenddessen machen es sich die Porter an einer Feuerstelle auf dem Fußboden bequem. Denken an ihre Familien und wann sie wieder zurück kehren können, mit ihrem spärlich verdienten Geld.

Ein paar tausend Kilometer weiter steht ein Nepalese auf der arabischen Halbinsel in der brütenden Mittagshitze, dehydriert und völlig kraftlos, dennoch gewillt seine Arbeit gut zu machen, um seiner Familie ein wenig Geld nach Hause schicken zu können.
Zu Hause fand er keine Arbeit, zu überbevölkert sind die Städte, zu unterentwickelt das Land.
Ein gebildeter Mann aus einem Nachbardorf entsandte ihn, versprach ihm gute Arbeitsbedingungen und einen hohen Lohn. Dafür müsse er ihn allerdings vorab bezahlen.
Falls er jemals in der Lage sein sollte, gesund nach Nepal zurück zukehren, erwarten ihn die gleichen Bedingungen wie zuvor, nur mit einem riesen Berg an Schulden obendrein.

Eine Weiße Frau sitzt in einem der modernsten Cafés Kathmandus. Sie trinkt ihren Latte Macchiato und gönnt sich dazu einen frischen Schokomuffin.
Sie lebt seit fast 3 Jahren in Nepal und arbeitet für die Entwicklungshilfe.
Mindestens drei mal im Jahr fliegt sie business class nach Hause in ihr Heimatland. Abends nach der Arbeit kommt sie in ihr großes Haus. Warmes Wasser, Strom und alles was man zum Leben benötigt, ist vorhanden. Es unterscheidet sich kaum, von einem Haus in ihrem Heimatland.
Am Wochenende trifft sie sich mit ihren Kollegen und Freunden, natürlich nur in dem angesagtesten Café der Stadt, in dem es seit neusten auch warme Brownies mit Vanilleeis gibt.
Von ihren Bekannten und Verwandten aus ihrer Heimatstadt wird sie bewundert, wie sie es schafft in einem Land wie Nepal zu leben und zu arbeiten. Wie sie es meistert all ihre Ansprüche aufzugeben, nur um anderen Menschen zu helfen.

Dies alles sind gute Beispiele für die Existenz der Blase und das nicht Wahrnehmen des Lebens außerhalb dieser.

Steigt man in ein TukTuk, wird man schräg angesehen. Man habe doch das Geld und solle lieber Taxi fahren.

Warum sollte man sich nicht das größere Appartement mieten, dass einem eine heiße Dusche und 24/7 Strom verspricht, wenn man dann nur 50 $ mehr im Monat zahlt?

Ich für meinen Teil habe beschlossen ein wenig mehr von dem für mich „wahren“ Nepal zu erfahren.
Viele mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass das auch Nepal ist. Das der Tourismus Nepal ausmache.

Aber was tut dieser? Er sorgt dafür, dass alle Nepalesen ein hochmodernes Smartphone in ihrer Tasche tragen.
Doch eine flächendeckende Gesundheitsversorgung oder gar Schulbildung für alle gibt es nicht.
Die Kluft zwischen Armen und Reichen wird oft übersehen und leider immer größer.

Fragt mich nicht, was man besser machen soll. Ich weiß es nicht und fühle mich an dieser Stelle auch mehr als hilflos.
Ich weiß nur, dass es wichtig ist manchmal genau hinzuschauen und eben nicht wegzuschauen.
Nepal besteht nicht nur aus einer atemberaubenden Landschaft und friedvoller Stimmung - es ist viel mehr.

Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich mich so wahnsinnig in dieses Land verliebt habe. Es ähnelt in gewisser Weiser meiner Heimatstadt - Berlin.

Es ist dreckig, hässlich und laut.
Aber auch farbenfroh, wunderschön und besinnlich.


Sonntag, 5. Januar 2014

Pokhara zum Zweiten

Frohes Neues wünsche ich Euch allen. Ich hoffe sehr, ihr seid gut reingerutscht!

Wir (Martin, Julia und ich) haben mehr als gefaulenzt und einfach mal unsere Seele zum Ende des Jahres baumeln lassen.
Martin kam das vielleicht ganz recht, da er sich leider eine kleine Grippe einfing, die ich nun im neuen Jahr ausbaden darf, während er durch die Berge von Nepal zieht!

Wir lagen also fast 4 Tage in unserer lieblings Strandbar in Pokhara, tranken Bier, lasen gute Bücher und sonnten uns.

Ich habe schon Ewigkeiten nicht mehr so entspannen können und genoss es sehr!



Zum Jahreswechsel trafen wir uns alle zum
Essen im besten Chinarestaurant der Stadt.

Danach ging es zu einer tollen Strandbar direkt am See. Wir feierten draussen am Wasser bis fast zum Morgengrauen. Für nepalesische Verhältnisse war das verdammt lang!


Nun noch zu meinen Vorsätzen für das Jahr 2014.
Ehrlich gesagt ist es das erste Jahr, dass ich mir darum nicht wirklich Gedanken mache.
2013 war einfach mein Jahr! Ich habe viele tolle Sachen erleben dürfen und bin sehr glücklich darauf zurück schauen zu können.
Das heißt, alles was ich mir wünsche ist, dass das Jahr 2014 mindestens halb so gut wird, wie 2013!!

Na dann, auf ins neue Jahr!