Wenn ich auf Städtereisen bin, interessieren mich selten Museen oder Wahrzeichen, es sind die Kirchen.
Ich bin alles andere als ein gläubiger Mensch. Obwohl ich das gar nicht so pauschal sagen kann. An irgendetwas glaube ich schon, aber das hat nichts mit Gott oder der Institution Kirche zu tun. Was fasziniert mich dann aber an diesen Gebilden?
Es ist diese Ruhe und gleichzeitig diese enorme Kraft, die eine Kirche ausstrahlt und die ich ganz stark spüre.
So richtig beschreiben kann ich das nicht, aber wenn ich den Boden einer Kirche betrete, werde ich ruhiger, langsamer und komme ins Grübeln.
Natürlich ist die Intensität dieses Umstandes von dem Gebäude und den Menschen, die sich dort befinden, abhängig. Viele Touristen, mit ihrer Kamera in der Dresdner Frauenkirche, die "versuchen" leise zu sein - na ja, da geschieht nicht viel in mir.
Am liebsten sind mir kleine, dunkle, alte Kirchen. Die diesen typischen Geruch von alten Gemäuern inne haben, der sich mit dem Weihrauch vermischt. Durch ein kleines buntes Fenster strahlt die Sonne auf den Altar und gibt den kalten, grauen Wänden ein wenig Leben.
Ich könnte stundenlang in so einem Bauwerk meine Zeit vertreiben. Höchstwahrscheinlich könnte man das jetzt analysieren und sich fragen, warum das so einen Einfluss auf mich hat, aber das soll nicht Inhalt dieses Textes sein.
Viel mehr möchte ich auf Nepal eingehen und darauf, dass ich etwas gefunden habe, das eine ähnliche Wirkung auf mich hat.
Man mag es kaum glauben, aber es sind nicht die Tempel und Stupas, die man en masse in diesem buddhistisch/hinduistischen Land sieht. Diese Anlagen sind nett anzuschauen, aber nach dem dritten Tempel war es für mich dann auch schon genug.
Nein!
Es sind die Berge!
Schon in Winterurlauben habe ich dies häufig bemerkt, hatte es aber immer auf den Sport geschoben. Das Wandern im Kindesalter mit meinen Eltern war auch eher eine Qual, so dass ich erst jetzt bemerke, wie sehr ich Berge eigentlich liebe und was sie mit mir anstellen.
Wenn ich täglich die Straße hinunter laufe und zwischen zwei Gebäuden das Himalaya-Gebirge hinausragt, geht mir das Herz auf. Die weißen Spitzen, die aussehen, als wären sie mit Puderzucker bedeckt und zum Anfassen nah. Dabei sind sie Kilometer weit weg und 1000e von Metern höher.
Schöner wird dieser Zustand natürlich, wenn man sich irgendwo hächelnd hoch gequält hat, um diesen Wahnsinns Ausblick zu geniessen. Dann steht man da und hat das Gefühl mit den 5000ern, 6000ern, bis hin zu den über 8000ern auf einer Höhe zu sein. Gleichzeitig kommt in einem diese tolle Genugtuung auf etwas wirklich erreicht und geschafft zu haben.
Einfach traumhaft diese Ruhe, diese klare Luft, die Vögel, die um einen herum kreisen. Wenn man Glück hat begegnet einem ein Flugzeug, das tiefer fliegt, als man steht.
Wolken gefangen in den Spitzen der Berge, die ein Meer bilden in das man am liebsten springen würde.
Berge haben aber auch in einem Tal, ohne dass man auf einer Aussichtsplattform steht, so etwas Schützendes, Beruhigendes.
Wie eine große Decke, die sich aufmerksam um ein legt.
Im Himalaya ist die Aussicht außerdem so atemberaubend, manchmal sieht sie aus wie gemalt, einfach dahin gepinselt.
So stark sind die Farbunterschiede und die Weiten, dass man das Gefühl hat vor einer Fototapete zu stehen.
Oft mischen sich die unterschiedlichsten Landschaften. Mal steht man mitten in einer saftig grünen Reisterrassen-Oase, mal hat man nichts anderes um sich herum, als Sand und Wüste.
Gelegentlich befindet man sich aber auch in einem Dschungel und schaut zwischen Sträuchern und riesigen Bäumen auf rauschende Wasserfälle.
Was ich wohl am meisten vermissen werde sind tatsächlich die Berge, wenn ich wieder das Berliner Flachland betrete.
Deshalb werde ich in meinen ein wenig mehr als letzten zwei Monaten, jeden Hügel und Berg erklimmen, der sich mir anbietet. Aber auch jede auf meinem Weg liegende Dachterrasse steht auf dem Programm!
Am Ende meines Aufenthaltes möchte ich das Gefühl haben diese Energie so oft gespürt zu haben, dass ich sie ohne Probleme mit nach Hause nehmen kann - als Erinnerung - als Reserve für Tage an denen mir Kraft fehlt.
(Deshalb - nur mal so am Rande - gab es am Wochenende auch eine kleine Verewigung. Diese soll mich stets an diese tolle Erfahrung erinnern und zeigt das, was ich am ehesten mit Nepal verbinde - Berge!)
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