Das letzte Wochenende sollte für uns wieder ein verlängertes werden.
Nachdem wir es uns schon an Dashain haben gut gehen lassen und durch Nepal gezogen sind, wollten wir das anstehende Festival wieder einmal nutzen, um trecken zu gehen.
Wie ich schon erwähnte ist Dashain das nepalesische Weihnachten. Es wird viel gegessen und die Familien werden besucht, egal wie weit sie weg wohnen.
Tihar ähnelt da eher Silvester, zumal es auch der Neujahrstag für den newarischen Kalender bedeutet. Es ist das Festival des Lichts und das kann man vor allem nach Sonnenuntergang bestaunen.
5 ganze Tage geht das Fest und an jedem einzelnen wird etwas anderes verehrt.
1. Der erste Tag ist der Tag der Krähe. Die Krähe dient als Todesboten des Todesgottes Yama.
2. Am zweiten Tag werden alle Hunde mit Blumen und Tikas (rote Farbe auf der Stirn) beschmückt. Sie sollen die verstorbenen Seelen zum Todesfluss begleiten.

3. Am dritten Tag dienen die Kühe als Inkarnation der Göttin Laxmi. Um dieser den Weg in die Häuser zu weisen, werden alle mit Lichterketten beschmückt.
Außerdem werden Blumenbilder auf den Boden vor dem Haus gemalt, auf denen Kerzen und Gaben liegen. Von denen führt eine gemalte Linie direkt ins Innere des Hauses.
4. Der vierte Tag ist dann der Neujahrstag an dem alle zusammenkommen und singen und abends kann man überall das Feuerwerk betrachten.
5. Am letzten Tag ehren die Schwestern ihre Brüder mit Hilfe von den angesprochenen Tikas auf der Stirn.
Wir entschieden uns also das Wochenende aus dem Trubel der Großstadt zu flüchten und eine Treckingtour nach Nargakot zu machen.
Nargakot ist dafür bekannt, dass man oben auf der Aussichtsplattform das Everestgebirge erblicken und den Zipfel des Mount Everest bestaunen kann.
Naja, was soll ich sagen... Bilder sagen mehr als Worte:
Wer genau hinschaut sieht vielleicht, dass die Proportionen des Everest im Bezug zu uns mehr als größenwahnsinnig erscheinen... Ja, wir hatten bescheidenes Wetter. Bescheidenes Wetter bedeutet in dem Fall, dass es morgens bewölkt war und wir nicht viel sehen konnten.
Es war trotzallem eine tolle Aussicht und ein toller Treck, aber beginnen wir am Anfang.
Am Samstag machten wir uns also auf den Weg nach Chisapani. Chisa ist das nepalesische Wort für kalt und Pani bedeutet Wasser. Wir wanderten also zu einem Ort mit dem wundervollen Namen "kaltes Wasser".
Mittlerweile ist es auch in Nepal Herbst geworden und das bedeutet, dass die Nächte um einiges kälter werden. Bis zum Winter kann man mit 0°C oder sogar Minusgraden rechnen. Und ihr müsst bedenken, dass es in Nepal keine Heizungen gibt. Wir packten demnach vorsorglich unsere Rucksäcke mit warmen Pullis, Schals und Mützen. Nun also zu einem Ort namens "kaltes Wasser" zu wandern, war nicht grade unsere Traumvorstellung.
Dennoch taten wir es und kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir unser Ziel. Warmes Wasser gab es wirklich nicht und vor dem schlafen gehen entdeckten wir Wassertropfen an unserer Decke.
Wir machten uns also auf eine feuchte, regnerische Nacht bereit.
Doch zuerst erkundeten wir den kleinen Ort und fanden einen malerisch im Sonnenuntergang getauchten Hügel. Auf diesem versuchten wir krampfhaft ein Foto von uns Dreien zu schiessen (mit Hilfe des Selbstauslösers). Das war keine einfache Angelegenheit. Das zweite Foto ist das einzige, auf dem wenigstens zwei von uns in der Luft sind. Nur Eric ist leider erst dabei in die Lüfte zu springen. Muss er wohl noch ein wenig üben ;-)


Der nächste Morgen begann vor den ersten Sonnenstrahlen, um das Spektakel des Sonnenaufgangs zu bewundern.Davon kann man hier in Nepal einfach nicht genug bekommen. Die Landschaft ist so atemberaubend und es ist einfach wundervoll die einzelnen Gipfel zu betrachten, wie sie nach und nach erleuchtet werden. Da spielen die morgendlichen Strapazen keine große Rolle mehr.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es weiter nach Nargakot.
Viel zu berichten gibt es eigentlich nicht. Außer vielleicht, dass uns ein Hund vom ersten Tag an begleitete. Diesen tauften wir Julia, weil wir sie (die wirkliche Julia) leider in Kathmandu zurücklassen mussten.
Julia (der Hund) verliebte sich dann allerdings in Chisapani in einen anderen nepalesischen Hund. Sie blieb also dort, aber ich muss oft an sie denken, ob sie wohl glücklich ist.

Außerdem kamen wir an einigen Schaukeln vorbei, die jedes Jahr um diese Zeit aufgebaut werden. Das Schaukeln bringt einen Gesundheit, demnach schaukelten wir.

In Nargakot angekommen trafen wir auf Sylvia, die spontan aus Kathmandu anreiste und suchten uns ein Hotel.
Der Plan war es gegen 4:30 aufzustehen und um 5:00 Uhr morgens aufzubrechen, um eine Stunde lang im Dunkeln durch die Gegend zu wandern, um den Aussichtsturm zu erreichen, um dann endlich den Everest zu sehen... PUH...
Guter Plan. Die Umsetzung gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht, da der Besitzer unseres Guesthouses uns regelrecht einschloss.
Wir brauchten fast eine halbe Stunde, um aus diesem blöden Guesthouse rauszukommen. Was wir alles anstellten, bewaffnet mit Taschenlampen, war unfassbar. Aber schliesslich schafften wir es und es konnte los gehen.
Allerdings hatten wir die halbe Stunde nicht eingeplant und so kamen wir völlig erschöpft nach dem Sonnenaufgang auf der Aussichtsplattform an und konnten dann noch nicht mal den Everest sehen.
Aber hey, immerhin hatten wir ein Bild von dem höchsten Berg der Welt dabei.

Nach der, trotz der wolkenverhangenen Berge, tollen Aussicht, beschlossen wir den nächsten Ort aufzusuchen, um ein kräftiges Frühstück zu uns zu nehmen.
Leider kam nur kein weiterer Ort, nur Wüste.
Es war brütend heiß und mittlerweile fast Mittag, aber gegessen hatten wir, bis auf Snickers und Bananen nichts.
Wir trafen auf eine andere Wandergruppe, die einen Guide bei sich hatten und fragten nach dem nächsten Ort. Er erzählte uns, ungefähr eine Stunde weiter wäre der nächste und er könne uns ein paar Abkürzungen zeigen.
So landeten wir unverhofft in einem kleinen Dorf. Die dort lebenden Menschen sahen anscheinend nicht oft weiße Menschen und begutachteten uns neugierig.
Dort rasteten wir eine Weile und nahmen Tee und und Süßes zu uns (leider hatten sie nichts anderes).
Grade am aufbrechen, kam eine Gruppe nepalesischer gleich gekleideter Männer auf uns zu und begannen zu rasseln und zu singen.
Ein Mann des Dorfes hielt uns an noch länger zu rasten und uns die traditionellen Gesänge anzuhören und mit ihnen zu feiern.
Das taten wir dann auch fast eine ganze Stunde lang, in der nur zwei Lieder immer und immer wieder wiederholend gespielt wurden.
Zum Schluss bekamen wir alle eine Blumengirlande - Mala - und den roten Fleck auf unserer Stirn - Tika.




So setzten wir unseren Weg blumenbehangen und bemalt, so wie halb am verhungern, fort.
Und erreichten völlig erschöpft den Ort Nala und den Ort Banepa, wo wir einen Bus zurück nach Kathmandu fanden.
Hier noch ein paar Landschaftsbilder und Eindrücke, die ich auf der Reise sammeln konnte:










Nun sind aber auch meine Urlaubstage für dieses Jahr gezählt. Nun muss ich das tun, für das ich ja auch eigentlich in Nepal bin - arbeiten.
Und in den Tagen in denen ihr Urlaub habt, nämlich an Weihnachten, muss ich leider auch ran.
Allerdings finden hier in Nepal am 19. November Wahlen statt.
Es könnte ab Montag zu Ausschreitungen kommen und für 10 Tage sind Streiks angekündigt. In der Zeit könnte es sein, dass keine Shops oder Restaurants auf haben.
Deshalb werden wir uns dieses Wochenende mit allerhand Essen und Wasser eindecken.
Zudem könnte es auch sein, dass wir gar nicht unser Haus verlassen dürfen, aber das sind alles nur Annahmen und wir werden sehen, was geschieht.
Ich halte euch auf jeden Fall auf den Laufenden und verspreche sehr vorsichtig zu sein!
Seid alle lieb gegrüßt und ein schönes Wochenende wünsche ich euch noch!






























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